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Lic. phil. Gerhild Tesak

Gesellschaftsvertrag

Terminus technicus für eine vertragliche Vereinbarung, in der sich die Individuen zur staatlichen Gesellschaft zusammenschließen und die Herrschergewalt an eine souveräne Person oder Versammlung übertragen (Vertragstheorie, contrat social ). Genau genommen werden damit zwei Vertragsschlüsse bezeichnet, welche in ihrem Zusammenwirken den Staat konstituieren: Der Vereinigungsvertrag, den die Individuen untereinander schließen, und der Herrschaftsvertrag, durch den sich die so entstandene Gemeinschaft dem Souverän unterstellt. Der Begriff steht somit für ein Erklärungsmodell, welches den Staat als das Produkt einer freiwilligen Vereinbarung ausweist und ihn dadurch zugleich als gültige Form menschlichen Zusammenlebens rechtfertigt. Geschlossen zu dem Zweck, Frieden, Recht und Sicherheit der Individuen zu garantieren, muss der Gesellschaftsvertrag im Kontext einer instrumentalistischen Staatstheorie gesehen werden. Diese geht aus von der (nicht unbestrittenen) Annahme eines vorpolitischen, vorrechtlichen Naturzustandes der Menschheit, wo jeder gegen jeden kämpft. Die gegenseitige vertragliche Verpflichtung, durch welche alle sich einer gemeinsamen Herrschaftsordnung unterwerfen, beendet nicht nur diesen Zustand permanenter gegenseitiger Bedrohung, sondern wird zugleich von der Hoffnung auf verbesserte Lebensbedingungen begleitet. Je nachdem, ob der Begriff zur Interpretation eines geschichtlichen Phänomens oder als gesellschaftsphilosophische Fiktion verwendet wird, eröffnen sich unterschiedliche Problemkreise. So hat z. B. der offenkundige Mangel an historisch belegbaren Gesellschaftsverträgen zu der These geführt, dass die Übereinkunft der Individuen, welche sich zu einem Staat zusammenschließen, nicht explizit formuliert werden muss, sondern auch stillschweigend zustande kommen kann, wenn die Mitglieder durch ihr Verhalten das herrschende System anerkennen. Strittig ist dabei bis heute, welche konkreten Verhaltensweisen als stillschweigende Zustimmung gedeutet werden können. Unterschiedliche Positionen finden sich auch in der Interpretation der Machtüberantwortung an den Souverän. Wurde die Macht dem Souverän vom Volk nur geliehen, so kann sie unter gewissen Umständen von diesem wieder zurückgefordert werden. Bedeutete die Übergabe jedoch die bedingungslose, unumkehrbare Abgabe der Macht, so kann der Versuch, die Macht zurückzuerhalten (etwa durch eine Revolution), nicht gerechtfertigt werden. In den Gerechtigkeitstheorien des 20. Jhs. wird die Idee des Gesellschaftsvertrags, insofern sie ein wechselseitiges Verpflichtungsmodell von Staat und Individuum entwirft, als Argument gegen solche theoretischen Systeme gebraucht, welche (wie z. B. der Utilitarismus) das Individuum mit seinen Ansprüchen dem Wohl der Gemeinschaft opfern.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt