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Dr. Thomas Blume

Ewigkeit

Der philosophische Begriff hat gegenüber der umgangssprachlichen Verwendung des Wortes eine andere Bedeutung. Während umgangssprachlich ›ewig‹ gleichbedeutend mit ›sehr lange‹, ›immerwährend‹ und ähnlichen, sich auf Dauer und zeitliche Erstreckungen beziehenden Begriffen ist, schließt der philosophische Begriff der Ewigkeit, so wie er von den meisten Autoren verwendet wird, Dauer aus seiner Bedeutung aus. ›Ewig‹ heißt nicht soviel wie ›lang andauernd‹, sondern ›dauerlos‹ oder ›zeitlos‹. Schon bei Platon findet sich die Gegenüberstellung von Ewigkeit und Zeit. Die Zeit wird als bewegliches Bild der Ewigkeit bezeichnet, Ewigkeit wird damit zu etwas Unbewegtem, für das es kein Nacheinander, kein Früher oder Später gibt. Augustinus sagt von der Ewigkeit, sie sei das Ganze auf einmal. Dieser Satz ist so zu verstehen, dass uns als Menschen und endlichen Wesen in zeitlicher Folge gegeben ist, was in der Ewigkeit für ein göttliches Wesen als Ganzes auf einmal vorhanden und einzusehen ist. Die Ewigkeit rollt sozusagen als Zeit an uns vorbei, wobei stets nur ein Bruchteil von ihr gegenwärtig, das Übrige aber schon vergangen oder noch zukünftig ist. Mit diesem Begriff von Ewigkeit wird ein Dualismus von ewigem, unzeitlichem, dauerlosem Jenseitigem und zeitlich Diesseitigem aufgespannt. Mit Hilfe der Annahme einer zweiten, von der unseren verschiedenen ewigen Welt ist es dann möglich, die Existenz von Göttern, aber auch das Weiterleben nach dem Tode zu erklären. Außerdem kann ein Begriff von Ewigkeit als Zeitlosigkeit dazu verwandt werden, um den Status mathematischer Wahrheiten plausibel zu machen.

Neben der Bestimmung von Ewigkeit als Dauerlosigkeit und Gegenbegriff zur zeitlichen Aufeinanderfolge von Ereignissen findet sich bei manchen Philosophen ein Verständnis von Ewigkeit als unendlicher zeitlicher Dauer. Auch hier stehen sich Ewigkeit und Zeit gegenüber, jedoch nur so, dass die Zeit einen endlichen Ausschnitt aus der Ewigkeit darstellt, die Ewigkeit hingegen das unendliche Ganze bildet. Nach dieser Konzeption stehen sich Ewigkeit und Zeit wie Bestimmbares und Bestimmendes, Unbegrenztes und Begrenzendes gegenüber, können also in ein Verhältnis von Materie und Form gebracht werden. Ewigkeit korrespondiert der zu bestimmenden Materie, Zeit der die Materie bestimmenden Form. Auf die zuletzt genannte Weise interpretieren Leibniz und Kant den Begriff der Ewigkeit. Der Begriff der Ewigkeit als abgeschlossenes Ganzes ist Motivation für ein heilsgeschichtliches Erwartungsdenken, das davon ausgeht, dass das Ganze der Ewigkeit in zeitlicher Form abgelaufen ist.

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Das Buch

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt