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Dr. Thomas Blume

Eudaimonie

Griech. eudaimonia , ›Glück, Glückseligkeit‹: Der zentrale Begriff der antiken Ethik bezeichnet das höchste Ziel des Strebens eines Menschen, dasjenige unter den Gütern, das um seiner selbst willen erstrebt wird und insofern nicht Mittel zu anderen Zwecken ist. Verstanden als dasjenige, worin sich die eigentümliche Befähigung eines jeden Wesens verwirklicht, ergibt sich die Eudaimonie für Aristoteles aus der zweifachen Wesensnatur des Menschen als einem Gemeinschaftswesen (zoon politikon ) und als einem mit Vernunft begabten Wesen (zoon logon echon ). In der Eudaimonie finden die spezifischen Möglichkeiten einer Sache ihre Vollendung. In der Nikomachischen Ethik nennt Aristoteles drei Lebensformen, aus denen sich die Eudaimonie des Menschen ableiten lässt: 1. das Genussleben (hedone ), 2. das Leben im Dienste des Staates (bios praktikos ), 3. das Leben in Hingabe an die Philosophie (bios theoretikos ). Hat die erste Lebensform ihren Grund in der Animalität, dem Tierhaften im Menschen, so entspringt die zweite aus seiner Bestimmung als politischem Wesen, die dritte hat ihren Ursprung in der dem Menschen eignenden Vernünftigkeit. Unter den drei Lebensformen besitzt die philosophische den höchsten Wert. Als Grund dieser Einschätzung nennt Aristoteles die Tatsache, dass die Götter im höchsten Sinne selig und glücklich sind, und zwar, weil sie in reiner (geistiger) Schau verharren. Folglich muss eine Tätigkeit, die der der Götter am nächsten kommt, am meisten vom Wesen des Glücks in sich tragen und folglich die Erste unter den Lebensformen sein. Glück kann daher als ein geistiges Schauen bezeichnet werden. Insofern von den anderen Lebewesen keines an der geistigen Schau teilhaben kann, kann auch keines von ihnen als glücklich gelten. Weil aber die Natur des Menschen für sich allein nicht ausreichend ist, die geistige Schau zu verwirklichen, bedarf es zu ihrem Erreichen der Gunst der äußeren Umstände, außerdem leiblicher Gesundheit und Nahrung. Ein Leben in reiner Theorie ist jedoch dem Menschen unmöglich und er kann sich demzufolge diesem Leben nur nähern.

Auch für die Stoa besteht das oberste Lebensziel in der Eudaimonie, die von den Stoikern als das naturgemäße Leben, als Übereinstimmung von menschlichem Verhalten und einem alles durchdringenden Naturgesetz, von Vernunft und Welt, von göttlichem und menschlichem Willen bestimmt wird. Dabei liegt die höchste Aufgabe nicht wie bei Aristoteles in geistiger Schau, sondern in politischem Handeln, in einem Handeln für die Gemeinschaft. Besonderes Merkmal des stoischen Tugendideals, welches der Weise verkörpert, ist seine Leidenschaftslosigkeit (Apathie) sowie seine vollkommene Freiheit und Selbstbestimmtheit.

Epikur macht die Lust zum höchsten Ziel menschlichen Strebens. Das heißt jedoch nicht, dass die Eudaimonie darin liegt, jede Lust zu erstreben oder jeden Schmerz zu vermeiden, denn was eine gewisse Lust bewirkt, kann oft Schmerzen zur Folge haben, die größer sind als jene Lust. Umgekehrt kann ein geringer Schmerz oft großen Schmerzen vorbeugen. Bei jeder in Frage kommenden Handlung gilt es daher im Voraus die möglicherweise daraus direkt oder indirekt entstehende Lust gegen die unmittelbar oder mittelbar daraus folgenden Schmerzen gegeneinander abzuwägen und je nach Übergewicht von Lust oder Schmerz eine Entscheidung zu treffen.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt