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Dr. Thomas Blume

Essenzialismus

Auch Essentialismus; Bezeichnung all derjenigen philosophischen Konzeptionen, die sich bei ihren Untersuchungen von der Annahme eines den Dingen innewohnenden Wesens leiten lassen. Der Essenzialismus war die vorherrschende philosophische Einstellung innerhalb der gesamten abendländischen philosophischen Tradition. Ursprungsort essenzialistischer Konzeptionen sind die frühen Dialoge Platons, in denen er nach dem Wesen ethischer Begriffe, z. B. Tapferkeit, Maßhaltung, Gerechtigkeit, Freundschaft usw. fragt. Platons Anliegen besteht darin, zu klären, was genau unter dem entsprechenden Begriff zu verstehen ist. Dabei wird als unhinterfragte Prämisse vorausgesetzt, dass den mit einem bestimmten Wort bezeichneten Dingen etwas gemeinsam ist, das sich in Form einer genauen Definition fassen lässt. So ist Platon z. B. zu der Annahme gezwungen, dass allen mit dem Wort gerecht bezeichneten Handlungen ein gemeinsames Merkmal innewohnt, das sich dann als Definition von Gerechtigkeit fassen lässt. Sein Schüler Aristoteles folgt Platon, indem auch er der Wesensfrage einen vorderen Rang innerhalb der philosophischen Untersuchung einräumt. Wo aber Platon auf ein Reich transzendenter Ideen zurückgreift, die das Wesen der irdischen Dinge verkörpern sollen, nimmt Aristoteles an, dass das Wesen jeweils in den Dingen selbst liege. Das Wesen ist in einem Ding und macht es zu dem, was es ist. Auf den Überlegungen von Aristoteles fußend entwickelt Locke eine Konzeption, wonach die Dinge neben ihren beobachtbaren Eigenschaften eine diesen Eigenschaften zugrunde liegende Struktur besitzen, die für das Zustandekommen der Eigenschaften kausal verantwortlich ist. Locke sieht das Ziel naturwissenschaftlicher Forschung darin, durch Theorie- und Modellkonstruktionen Einsicht in das verborgene Wesen der Dinge zu gewähren. Innerhalb der aktuellen sprachphilosophischen Debatte nehmen Kripke und Putnam essenzialistische Positionen ein. Putnam zufolge beziehen sich Begriffe für natürliche Arten, also Worte wie ›Zebra‹, ›Zitrone‹, ›Gold‹ oder ›Wasser‹ auf eine den mit dem entsprechenden Wort bezeichneten Dingen innewohnende Struktur, also z. B. auf die genetische Kodierung der Erbinformation bei Zebras und Zitronen oder den atomaren Aufbau bzw. die chemische Zusammensetzung von Gold bzw. Wasser. Einer der schärfsten Kritiker einer essenzialistischen Sprachauffassung ist Wittgenstein. Wittgenstein behauptet, dass es keineswegs der Fall zu sein braucht, dass allen mit einem bestimmten Wort bezeichneten Dingen ein Merkmal oder ein Komplex von Merkmalen gemeinsam sein müsse. Als Alternative zum klassischen Wesensbegriff führt er den Begriff der Familienähnlichkeit ein, der besagt, dass wie bei einer Familie verschiedenen, mit ein und demselben Wort bezeichneten Dingen jeweils das eine oder andere Merkmal gemeinsam sein kann, es jedoch kein ausgezeichnetes Merkmal gibt, das bei jedem der genannten Dinge vorhanden sein müsste, ganz genauso, wie sich Vater und Sohn in dieser, Mutter und Sohn in jener und Großmutter und Sohn in wieder einer anderen Eigenschaft ähnlich sein können, ohne dass es doch eine Eigenschaft geben muss, die allen Gliedern der Familie eignen würde.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt