Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Thomas Blume

Erscheinung

Kann im umgangssprachlichen Sinne einmal für ein Trugbild stehen (jemand hatte eine Erscheinung). Dann kann sich Erscheinung auf das Äußere eines Menschen, auf sein Erscheinungsbild beziehen. Erscheinung kann aber auch für eine besondere Art von Zeichenverhältnis stehen, wobei etwas Erscheinung von etwas anderem ist. In der Philosophie fungiert Erscheinung als erkenntnistheoretischer Begriff zumeist zur Bezeichnung der mit den unteren Erkenntnisleistungen erkannten Gegenstände. Schon in der Antike steht Erscheinung für all diejenigen Gegenstände, die mit Hilfe der Sinne, also durch Gesichtssinn, Gehör, Geschmackssinn, Geruchssinn oder Gefühl wahrgenommen werden. Aus ihrer Zugehörigkeit zum Bereich der Sinnenwelt schließt Platon auf den geringeren erkenntnismäßigen Wert des Erscheinungshaften. Eigentliche, wahre Erkenntnis hat nur das Unwandelbare, Bleibende, Ewige zum Gegenstand. Da im Bereich der Sinnenwelt Wandel und Veränderung herrschen, kann, was Erscheinung ist, nicht zum Gegenstand wahrer Erkenntnis werden.

Ein höherer Stellenwert kommt der Erscheinung in Kants Erkenntnistheorie zu. Kant stellt die Erscheinung dem Ding an sich gegenüber. Erscheinung in erster Näherung ist das, was einem Subjekt gegeben ist, während das Ding an sich der in kausaler Weise für das Zustandekommen der Erscheinungen verantwortliche Gegenstand ist, dasjenige also, was in einem Subjekt Erscheinungen hervorruft. Da das die Erscheinung bewirkende Ding an sich in der Erscheinung selbst nicht miterscheint, bleibt es erfahrungstranszendent, ist also nicht selbst durch Erfahrung erreichbar, kann aber, als notwendiges Korrelat der Erscheinung zumindest vom Verstand gedacht werden. Im Einzelnen unterscheidet Kant zwei Begriffe von Erscheinung. Erscheinung meint einmal das durch die beiden Formen der Anschauung geformte anschauliche Mannigfaltige. Erscheinung in diesem Sinne beinhaltet daher einerseits die räumliche und zeitliche Form der Anschauung, zum anderen die Materie der Anschauung, das sinnliche Material als ihr empirischer Gehalt. Von der Zeit heißt es, dass sie die formale Bedingung a priori aller Erscheinung überhaupt sei, da alles, was einem Subjekt anschaulich gegeben ist, zeitlich geformt ist, während nur einige Inhalte eine räumliche Formung erfahren. In einer zweiten Bedeutung steht Erscheinung für die Gegenstände, die bereits eine kategoriale Formung durch die Kategorien als Formen des Verstandes erfahren haben. Erscheinungen in diesem Sinne nennt Kant »Phaenomena«. Erscheinungen als Phaenomena beziehen sich auf Erscheinungen in dem zuerst genannten Sinne, indem Phaenomena eine höherstufige Art von Erscheinungen darstellen, die sich auf Erscheinungen der ersten Art gründen. In ihnen erhält das bloß nach Raum und Zeit geformte sinnliche Material der Erscheinung (im ersten Sinne) eine weitere Formung durch die Kategorien. Durch diese kategorialen Synthesisleistungen werden aus Erscheinungen (im ersten Sinne) Gegenstände oder Objekte.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt