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Dr. Thomas Blume

Eigentum

Diejenige Sache, über die jemand nach geltender Rechtsnorm allein verfügen darf und die dem Zugriff der anderen entzogen bleibt. Je nachdem, ob sich die Verfügungsgewalt auf eine Einzelperson, eine Gruppe von Personen oder auf die gesamte Gesellschaft erstreckt, spricht man von Individual-, Gruppen-, oder gesellschaftlichem Eigentum. Individual- und Gruppeneigentum werden unter der Bezeichnung Privateigentum zusammengefasst.

Das Aufkommen von Theorien des bürgerlichen Verfassungsstaates im 17. Jh. infolge des wachsenden Einflusses des bürgerlichen Standes in einigen europäischen Staaten zog eine Debatte um die Rechtfertigung des Eigentums nach sich. Konnte die Verfügungsgewalt über eine Sache zuvor entweder durch Tradition oder göttliches Recht legitimiert werden, so bedurfte es nunmehr rationaler, auf einsehbaren Gründen beruhender Erklärungsansätze. Im Zuge dieser Entwicklung wurden folgende Modelle zur Erklärung des Zustandekommens und der Rechtfertigung von Eigentumsrechten entwickelt: Die Okkupationstheorie (Grotius) macht die Rechtfertigung der Verfügungsgewalt über eine Sache von ihrer Aneignung abhängig: Eine bestimmte Sache kommt rechtmäßig demjenigen zu, der von ihr Besitz ergreift. Nach der Arbeitstheorie (Locke) hängt der Besitzanspruch auf eine Sache von der dafür geleisteten Arbeit ab. Derjenige kann ein Eigentumsrecht an einer Sache geltend machen, der am Erwerb oder am Zustandekommen der entsprechenden Sache aktiv beteiligt war. Beide Theorien werfen ein Problem in Bezug auf die Eigentumsrechte der zu spät Gekommenen auf. Hat einmal jemand von einer Sache Besitz ergriffen, so hat der das Nachsehen, der nicht zur rechten Zeit zur Stelle war. Das Gleiche gilt in Hinblick auf durch Arbeit erworbene Eigentumsrechte, wenn sie auf kommende Generationen vererbt werden. Die Legaltheorie (Rousseau) versucht diesem Problem Rechnung zu tragen, indem sie davon ausgeht, dass sich die einzelnen Menschen mit dem Zustandekommen des Gesellschaftsvertrages ihres gesamten vorstaatlichen Besitzes entäußern und ihn an den Staat übergeben. Dieser wiederum gibt ihn den Besitzern als legitimes Eigentum zu treuen Händen zurück. Nach dieser Theorie kann der Staat durch eine staatliche Eigentumsregelung in Konflikte zwischen den Individuen eingreifen. Kant behauptet demgegenüber, dass Eigentum zum Personenrecht gehöre und dem Menschen von Natur wegen zukomme.

Nach Marx und dem orthodoxen Marxismus geht mit dem Privateigentum eine Entfremdung des Menschen von sich selbst einher. Lebten in einem ursprünglichen Gesellschaftszustand die Menschen ohne jegliches privates Eigentum, so bedeutet die Aneignung von Besitz durch einzelne Menschen den gesellschaftspolitischen Sündenfall. Mit dem Privateigentum wird der Mensch in die Dienstbarkeit des Habens gebracht, sein Interesse verlagert sich in einen ihm äußeren Gegenstand. Zugleich entsteht mit dem Privateigentum an Grund und Boden sowie an den zur Herstellung von Gütern erforderlichen Produktionsmitteln die Möglichkeit der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Derjenige, der sich im Besitz von Produktionsmitteln bzw. von Grund und Boden befindet, kann andere für sich arbeiten lassen und sich den durch die Arbeit erwirtschafteten Mehrwert aneignen. Mit der Überführung des Privateigentums an Produktionsmitteln in gesamtgesellschaftliches Eigentum, wie sie der Sozialismus herbeiführen sollte, geht die Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen einher.

Der Liberalismus begreift Eigentum als eine dem staatlichen Einfluss entzogene Verfügungsgewalt von Menschen über ihren Besitz, verbindet jedoch mit dem Recht auf Eigentum soziale Pflichten, insbesondere die Pflicht, sein Eigentum nutzbringend einzusetzen. Dementsprechend wendet der liberale Staat sein Recht zur Steuererhebung in besonderem Maße auf solches Eigentum an, das nicht zu produktiven Zwecken eingesetzt wird.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt