Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Dr. Thomas Blume

Distinkt

Lat. ›unterschieden‹: Begriff zur Bezeichnung dafür, dass etwas von etwas anderem verschieden bzw. unterschieden ist. Innerhalb der rationalistischen Philosophie Descartes’ dient der Begriff des Distinkten als ein Kriterium der Wahrheit von Erkenntnissen. Nach Descartes gilt eine Erkenntnis dann als wahr, wenn sie klar und distinkt ist. Dabei bedeutet distinkt, dass die Erkenntnis von allen übrigen Erkenntnissen getrennt und unterschieden ist, und weiter, dass jeder der Bestandteile der gegebenen Erkenntnis vollkommen klar ist. Die Tatsache, dass Descartes den Begriff des Distinkten zum Merkmal der Wahrheit von Erkenntnis macht, hat ihren Grund in seiner atomistischen Konzeption der Inhalte der Erkenntnis. Für Descartes bilden einzelne Ideen, die teilweise angeboren, teilweise erworben sind, den Inhalt des Denkens. Erkenntnis ist der Akt, in dem solche im Geiste liegenden Ideen durch den Erkennenden ergriffen werden. Gelingt es dem Erkennenden, aus dem Reservoir von Ideen eine einzelne zu erfassen, ohne zugleich auch andere Ideen mit zu ergreifen, und in voller Klarheit vor sein inneres Auge zu stellen, so verfügt er über distinkte Erkenntnis.

Leibniz stellt distinkte Erkenntnis der verworrenen Erkenntnis, wie sie sich in ästhetischen Urteilen ausspricht, gegenüber. Fällt jemand ein ästhetisches Urteil über einen Gegenstand, schätzt er z. B. ein Gedicht oder ein Gemälde als gut oder schlecht ein, ohne dabei eine Beschaffenheit des Gegenstandes anfügen zu können, um sein Urteil zu begründen, so verfügt er nur über verworrene Erkenntnis. Ist er dagegen in der Lage, die bestimmenden und unterscheidenden Merkmale der jeweiligen Sache zu nennen, so verfügt er über eine distinkte Erkenntnis seines Gegenstandes. Er kann dann in Begriffe fassen, was er erkannt hat und sich darüber in einem Urteil äußern. Im Einzelnen unterscheidet Leibniz drei Stufen bzw. Grade distinkter Erkenntnis: Eine distinkte Erkenntnis ist verworren, wenn ihre Bestandteile selbst nicht distinkt erkannt werden. So ist z. B. eine Definition distinkt, aber verworren, wenn in die Definition unklare Begriffe eingehen. Ein distinkte Erkenntnis ist adäquat, wenn sämtliche Bestandteile bis hin zu den atomaren, nicht weiter zerlegbaren Bestandteilen der Erkenntnis distinkt erkannt werden. Beispiel einer adäquaten distinkten Erkenntnis wäre eine logische Schlussfolgerung, bei der jeder einzelne Ableitungsschritt distinkt erkannt wird, wo jedoch die Ableitung als Ganze nicht überschaubar ist, weil sie z. B. sehr lang ist. Ein distinkte Erkenntnis ist intuitiv, wenn die Gesamtheit ihrer atomaren Bestandteile wie mit einem Blick erfasst werden. Leibniz räumt ein, dass die zuletzt genannte Art distinkter Erkenntnis äußerst selten ist. Als Beispiel kann ein mathematischer Beweis dienen, der als Ganzer wie auf einen Schlag eingesehen wird.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt