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Dr. Thomas Blume

Dialog

Griech. ›Gespräch‹; eine der ältesten Formen der Darstellung eines philosophischen Problems. Dabei wird ein philosophischer Gedanke in Rede und Gegenrede von zwei oder mehr Gesprächspartnern entwickelt. Die dialogische Darstellungsform verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele: Entweder geht es im Dialog darum, einen bestimmten Gedanken zu entwickeln, ein Problem zu lösen oder dergleichen, oder dem Dialog kommt die Aufgabe zu, eine bestimmte, von vornherein feststehende Position gegen die Einwände eines Gegners zu verteidigen. Ist Letzteres der Fall, so vertritt zumeist einer der Dialogpartner die Position des Autors, der andere dagegen die seines oder seiner wichtigsten zeitgenössischen Gegner.

Der Dialog als Mittel zur philosophischen Darstellung eines Gedanken geht zurück auf die antiken Sophisten. In den platonischen Dialogen stehen sich Platons Lehrer Sokrates sowie verschiedene seiner Zeitgenossen gegenüber. Zumeist bildet ein Lehrer-Schüler-Verhältnis die Grundkonstellation des Dialoges, wobei es Sokrates obliegt, einen seiner Schüler und mit ihm den Leser zur rechten Einsicht zu leiten. Diese Form der Darstellung speist sich aus Platons Anamnesis-Lehre, wonach jedem Menschen bestimmte Grundwahrheiten bereits angeboren sind und nur noch durch das geschickte Fragen des Lehrers zu Bewusstsein gebracht werden müssen.

Den Vorzug der dialogischen Wahrheitssuche sieht Platon in deren Flexibilität, die nach seiner Auffassung in die Schriftform nicht übertragbar ist. Ein Dialog erlaubt es, allen Einwänden und Bedenken nachzugehen, während es eine philosophische Abhandlung nicht gestattet, alle möglichen sich stellenden Fragen durchzugehen. In der philosophischen Tradition ist Platon der einzige Autor, dessen gesamtes Werk (mit Ausnahme der Briefe) in Dialogform vorliegt. Eine dem Dialog nahe kommende Form besitzen die scholastischen Disputationen, bei denen eine These dargelegt wird, die möglichen Angriffspunkte genannt und anschließend gegen die Angriffe verteidigt werden. Im 20. Jh. hat Wittgenstein die dialogische Darstellungsform in seinem Spätwerk als Mittel der Wahrheitsfindung gewählt.

Der Dialog als eine Methode zur Suche der Wahrheit steht im Zentrum vor allem der so genannten Diskursphilosophie, wie sie von Apel und Habermas entwickelt worden ist. Beide Autoren gehen davon aus, dass der Wahrheitsanspruch einer Aussage über einen Sachverhalt in der objektiven Welt oder der Richtigkeitsanspruch eines Urteils über einen Sachverhalt in der sozialen Welt auf dem Wege eines Dialoges eingelöst werden soll. Im Idealfall ist ein solcher Dialog herrschaftsfrei, d. h. alle Mechanismen, die einen der Dialogpartner aufgrund vernünftiger Argumente zur Anerkennung einer Sache zwingen, bleiben ausgeschaltet.

Als Alternative zur klassischen, an Aristoteles orientierten Satzlogik wurde von Lorenzen und Lorenz eine dialogische Logik entwickelt, bei der nicht die Wahrheit oder Falschheit einer Aussage im Vordergrund steht, sondern das Argumentieren um eine Behauptung, wobei der Gewinn oder Verlust eines Dialoges geregelt wird. Über so genannte Argumentregeln werden die verschiedenen Junktoren (›nicht‹, ›und‹, ›oder‹, ›wenn … dann‹) eingeführt, indem festgelegt wird, welche Konstellationen zwischen dem Angriff und der Verteidigung einer These vorliegen müssen. Erfolgt z. B. auf einen Satz A ein Angriff, aber keine Verteidigung, so gilt der Satz als negiert (= Einführung des Negationszeichens).

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt