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Dr. Brigitte Wiesen

Determinismus

Bezieht sich auf die Lehre von der durchgängigen kausalen Bestimmtheit (Kausalität) aller Wirklichkeit (im Gegensatz zum Indeterminismus). Der Determinismus behauptet, dass, wenn man die Kenntnis aller in Frage kommenden Gesetze sowie aller ein System bestimmenden Faktoren voraussetzt, jeder vergangene Zustand des Systems errechenbar und jeder zukünftige Zustand des Systems prognostizierbar sei (laplacescher Dämon).

Bezieht man den Determinismus auf das gesamte Weltgeschehen, so ergibt sich vordergründig ein Widerspruch zwischen Willensfreiheit und Determinismus. Aus der kausalen Determiniertheit der Natur – wie sie die klassische Mechanik Newtons suggeriert – wird abgeleitet, dass die menschlichen Willensbewegungen in ihrer Richtung stets durch äußere oder innere Ursachen determiniert seien. Diese Position schließt aus, dass eine Person in der Lage ist, sich bewusst selbst ein Ziel aus anderen Zielsetzungen auszuwählen. Wenn man jedoch nicht wählen kann, stellt sich die Frage nach der Verantwortung und nach der Schuldfähigkeit und damit nach der Praxis der Justiz und der Grundlage moralischer Urteile wie unserer Verfassung. Hinsichtlich der Frage nach dem Determinismus und seinen Konsequenzen muss man zwei Positionen unterscheiden: den strengen Determinismus (Nietzsche) und den schwachen Determinismus (Carnap). Der ersten Position zufolge sind der Mensch und seine Handlungen durch verschiedenste Ursachen völlig determiniert und damit nicht frei. Also ist der Mensch für seine Handlungen auch nicht verantwortlich, da Verantwortung Freiheit voraussetzt. Nach der zweiten Position ist die Kausalstruktur der Welt und mit ihr der Determinismus mit seiner Möglichkeit, Prognosen zu erstellen, eine unverzichtbare Voraussetzung für die freie und verantwortliche Entscheidung eines Menschen. Man muss unterscheiden zwischen Vorhersagbarkeit einer Handlung und Zwang.

Man spricht von Zwang, wenn ein Mensch gehindert wird, das zu tun, was er gern tun möchte. Davon muss man die freie Wahl unterscheiden. Für einen Menschen, der seine Handlung frei wählen will, ist es wichtig, dass er die Konsequenzen der verschiedenen Handlungsmöglichkeiten für sich selbst abschätzen kann. Dies setzt aber voraus, dass die unterschiedlichen Handlungen prognostizierbar sind. Handlungsalternativen setzen also zwingend eine Kausalstruktur und eine (zumindest statistische) Determiniertheit voraus. Ohne kausale Strukturen und Determinismus hätte man gar keine sinnvolle Wahl. Ohne Determinismus existiert also kein freier Wille und keine Verantwortung.

Ph. Frank, Das Kausalgesetz und seine Grenzen , Frankfurt/M. 1988

U. Pothast (Hg.) Freies Handeln und Determinismus , Frankfurt/M. 1978, darin insbesondere M. Planck, Vom Wesen der Willensfreiheit

I. Kant, Kritik der praktischen Vernunft , Königsberg 1788

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt