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Dr. Thomas Blume

Behaviorismus

Von engl. behaviour , ›Verhalten‹: bezeichnet zunächst eine Forschungsrichtung innerhalb der Psychologie, mit Thorndike, Watson und B. Skinner als Hauptvertretern. Alleiniger Gegenstand der Erforschung psychischer Zusammenhänge ist das empirisch beobachtbare Verhalten von Menschen und Tieren. Zur Methode des Behaviorismus gehört die Untersuchung von Zusammenhängen, wie sie zwischen beobachtbaren äußeren Einflüssen (stimuli ) auf ein Lebewesen und seinen ebenfalls beobachtbaren Reaktionen (responses ) bestehen. Man bezeichnet den Behaviorismus auch als methodischen Behaviorismus, weil er andere Methoden der Psychologie, insbesondere die Methode der Selbstbeobachtung, als unwissenschaftlich ablehnt, da sie den wissenschaftlichen Standards der objektiven Zugänglichkeit und intersubjektiven Überprüfbarkeit nicht genügen.

Der logische Behaviorismus behauptet, dass sich alle Aussagen über das Seelenleben einer Person in Aussagen über deren Verhalten bzw. deren Verhaltensdispositionen übersetzen lassen. Aussagen, in denen mentale Termini wie ›Denken‹, ›Zorn‹, ›Absicht‹ usw. vorkommen, lassen sich vollständig in bedeutungsgleiche Aussagen umwandeln, die nur von beobachtbarem Verhalten und den physikalischen Umständen, unter denen es sich ereignet, sprechen.

Obwohl der logische Behaviorismus zunächst nichts weiter als eine These über bestimmte Übersetzungsbeziehungen ist, wie sie zwischen sprachlichen Ausdrücken zweier Gruppen bestehen, so geht doch mit ihm oftmals eine Konzeption des Bewusstseins einher, die das Vorliegen bewusster Phänomene leugnet oder wegerklären will. Dabei wird die Tatsache, dass sich Aussagen über Seelisches in Aussagen über Nicht-Seelisches umwandeln lassen, als Indiz dafür angesehen, dass es letztlich überhaupt keinen inneren, phänomenalen Bereich gibt.

Der logische Behaviorismus hat zwei Formen angenommen. Der mit den Namen Ryle und teilweise auch Wittgenstein verbundene hypothetische Behaviorismus geht davon aus, dass sich Aussagen über das Seelenleben einer Person, also Aussagen über scheinbar innere Vorgänge, auf die mehr oder minder komplexen Dispositionen dieser Person beziehen, sich unter bestimmten Bedingungen auf bestimmte Weise zu verhalten. So wie sich der Satz ›Zucker ist wasserlöslich‹ auf die Disposition des Zuckers bezieht, sich unter bestimmten Bedingungen, nämlich in ungesättigtem Wasser, aufzulösen, so bezieht sich ein Satz wie ›Paul ist ängstlich‹ ebenso auf die Dispositionen von Paul, sich unter bestimmten Umständen so und so zu verhalten. So wie die Wasserlöslichkeit des Zuckers keine im Innern der Zuckerkristalle verborgene Eigenschaft darstellt, sondern sich auf das beobachtbare Verhalten des Zuckers unter bestimmten Bedingungen bezieht, nämlich beim Eintauchen ins Wasser seine Gestalt zu verlieren, ebenso ist Pauls Ängstlichkeit keine im Innern von Paul liegende geistige Qualität.

Der kategorische Behaviorismus behauptet dagegen die Übersetzbarkeit einer Aussage über Seelisches bzw. Mentales in eine Aussage über aktuell wahrnehmbares Verhalten. Danach lassen sich Sätze wie ›Paul ist jetzt aufgeregt‹ übersetzen in ›Pauls Körper weist einen hohen Puls, rasches Atmen usw. auf‹. Heute konzentriert man sich vor allem auf Eigenschaften des Nervensystems eines Menschen, wenn man Aussagen über Mentales in Aussagen über physikalische Sachverhalte überführen will.

Beiden Arten des logischen Behaviorismus ist entgegengehalten worden, dass die Inhalte des Bewusstseins über bestimmte phänomenale Eigenschaften verfügen, die in einer physikalischen Beschreibung, ob sie sich nun auf äußeres Verhalten oder den augenblicklichen Zustand des Zentralnervensystems bezieht, nicht erfasst werden können.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt