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Dr. Thomas Blume

Bedeutung

Im philosophischen Sinne ist Bedeutung in erster Linie eine Eigenschaft von Worten und Sätzen und Untersuchungsgegenstand der Bedeutungstheorie oder Semantik. Die umgangssprachliche Verwendung des Begriffs ist vieldeutig. Bedeutung kann einmal für das stehen, was ein bestimmter Ausdruck bezeichnet. Bedeutung kann aber auch für den Sinn des Gesagten stehen, für das, was man mit einer Äußerung meint, was man darunter versteht. Schließlich lässt sich Bedeutung auch im Sinne von Wichtigkeit verstehen. Bedeutung hat das, was in einer bestimmten Hinsicht wichtig ist. Der Facettenreichtum des umgangssprachlichen Bedeutungsbegriffs spiegelt sich in gewissem Sinne in den unterschiedlichen philosophischen Versuchen, Bedeutung zu definieren, wider. Die einfachste Form einer Bedeutungstheorie stellt die Namenstheorie der Bedeutung dar. Sie geht davon aus, dass die einzige semantische Funktion sprachlicher Ausdrücke darin besteht, Gegenstände zu bezeichnen. Als semantisches Urverhältnis wird das Name-Träger-Verhältnis angesehen. So besteht die Bedeutung eines Eigennamens darin, einen Gegenstand zu bezeichnen: Der Eigenname ›Sokrates‹ bezeichnet einen Mann namens Sokrates. Prädikate stehen nach dieser Auffassung für Eigenschaften: Das Prädikat ›rot‹ steht für die Eigenschaft rot, das Prädikat ›größer als‹ für die Eigenschaft größer als. Für Sätze legt man fest, dass sie einen Sachverhalt bezeichnen: Der Satz ›Sokrates ist der Mann von Xanthippe‹ steht für den Sachverhalt, dass Sokrates der Mann von Xanthippe ist. Da einfache Sätze aus Eigennamen und Prädikaten bestehen, ergibt sich das, was die Sätze bezeichnen, aus dem, was die in ihnen vorkommenden Eigennamen und Prädikate bezeichnen. Wichtig ist dabei die Stellung der Eigennamen und Prädikate, ihre Reihenfolge im Satz. Der Satz ›Hans ist größer als Paul‹ bezeichnet einen anderen Sachverhalt als der Satz ›Paul ist größer als Hans‹. Man nennt einen Satz wahr, wenn der Sachverhalt, den der Satz bezeichnet, besteht, falsch, wenn der durch den Satz bezeichnete Sachverhalt nicht besteht. Die Namenstheorie der Bedeutung stößt auf Schwierigkeiten, wenn sie die Bedeutung solcher Worte, wie ›das‹, ›und‹ usw. angeben soll, Worte, die keinen Gegenstand zu bezeichnen scheinen. Darüber hinaus kann sie nicht erklären, wieso der Satz ›Der Morgenstern ist mit dem Morgenstern identisch‹ und der Satz ›Der Morgenstern ist mit dem Abendstern identisch‹ unterschiedliche Bedeutungen zu haben scheinen. Schließlich müsste ein Wort seine Bedeutung verlieren, wenn der Gegenstand, den es bezeichnet, aufhören würde zu existieren. Angesichts dieser Probleme unterscheidet man seit Frege zwischen der Bedeutung bzw. dem Sinn von Eigennamen, Prädikaten und Sätzen und ihrem Bezug, d. h. dem Gegenstand, den sie bezeichnen. Dabei ist die Bedeutung bzw. der Sinn von Ausdrücken keine subjektive Vorstellung oder Assoziation, die jeder persönlich mit einem Wort verbindet, sondern etwas Intersubjektives, Objektives, das von jedem Sprecher einer Sprache erfasst werden kann und das von Frege in einem dritten Reich der Gedanken angesiedelt wird. Der Sinn eines Eigennamens ist die Art und Weise, wie der durch den Eigennamen bezeichnete Gegenstand gegeben ist. Der Bezug ist der entsprechende Gegenstand selbst. Der Sinn des Wortes ›Abendstern‹ ist nach dieser Auffassung ›der Stern, der als erster am Abendhimmel erscheint‹, der Bezug des Wortes ist der Planet Venus. Der Sinn eines Satzes ist der Gedanke, also dasjenige, was durch den Satz ausgedrückt wird, sein Bezug ist ein Wahrheitswert, d. h. die Tatsache, dass der Satz entweder wahr oder falsch ist. Auch für Prädikate soll Frege zufolge gelten, dass sie einen Sinn haben. Dieser soll in einem Begriff bestehen. Als ihren Bezug gibt er etwas an, das man als extensionalen Begriff bezeichnen könnte.

Anknüpfend an Frege entwirft Carnap eine Bedeutungstheorie, die zwischen der Intension und der Extension eines Ausdrucks oder Designators unterscheidet. Die Intension eines Ausdrucks gibt dessen Sinn an, die Extension dagegen dasjenige, worauf sich der Ausdruck bezieht. Nach Carnap besteht die Intension eines Namens in einem Individualbegriff, seine Extension in dem Gegenstand, der durch den betreffenden Namen bezeichnet wird. Als Intension eines einstelligen Prädikats nennt Carnap die durch den Prädikatausdruck bezeichnete Eigenschaft (z. B. die Eigenschaft ›rot‹); als Extension nennt er die Klasse der Gegenstände, die unter das betreffende Prädikat fallen, die Gegenstände also, welche die betreffende Eigenschaft besitzen. Die Intension eines Satzes ist die durch den Satz ausgedrückte Proposition, seine Extension ein Wahrheitswert (wahr oder falsch). Gegenüber Carnaps intensionalistischer, d. h. auf den Intensionsbegriff zurückgreifender Bedeutungstheorie hat vor allem Quine Bedenken angemeldet. Nach Quine sind die von Carnap benutzten bedeutungstheoretischen Grundbegriffe wie beispielsweise der Begriff der Analytizität (ein Satz gilt als analytisch wahr, wenn er allein aufgrund der Bedeutung der in ihm vorkommenden Worte wahr ist, egal, was auch immer in der Welt der Fall sein mag) oder der Synonymie (Bedeutungsgleichheit) nicht zirkelfrei definierbar. Auch die Annahme, dass Sätze für sich genommen über Bedeutung verfügen und demzufolge durch Sinneserfahrung bestätigt oder widerlegt werden könnten, hält Quine für falsch. Seiner Meinung nach treten nicht einzelne Sätze der Erfahrung gegenüber, sondern eine aus unzähligen Sätzen bestehende Wissenschaft als ganze. Die Auffassung, dass Sätze nur im Verbund mit anderen Sätzen über Bedeutung verfügen, wird als Bedeutungsholismus bezeichnet. Vom Bedeutungsholismus ist der Bedeutungsmolekularismus und der Bedeutungsatomismus unterschieden. Der Bedeutungsatomismus betrachtet die in einem Satz vorkommenden Wörter als kleinste bedeutungstragende Einheiten, der Bedeutungsmolekularismus dagegen den ganzen Satz.

Quines Skepsis gegenüber einem in sich abgeschlossenen Reich intensionaler Begriffe zielte darauf, die Grenze zwischen Philosophie und Naturwissenschaft durchlässig zu machen, um beide als Einheit begreifen zu können. Im Zuge seines Naturalisierungsprogramms galt es für Quine, einen naturalistisch-behavioristischen Ersatz für den Bedeutungsbegriff und die in seinen Umkreis gehörenden Begriffe zu finden. Dazu ersetzte Quine den klassischen Begriff des Sinnesdatums, der sich auf etwas bezieht, das einem Subjekt nur aus der Innenperspektive zugänglich ist, durch den Begriff des Sinnenreizes. Letzterer bezeichnet etwas Objektives, mit den Methoden der Naturwissenschaft Erfassbares. Auf die Frage nach der Bedeutung von Sätzen und Worten antwortet Quine mit einer Verhaltenstheorie der Bedeutung. Quine schlägt vor, dass man zur Bedeutung eines Wortes gelangt, indem man ein anderes Wort oder einen komplexen Ausdruck nennt, der die Bedeutung des Wortes angibt. Die Angabe der Bedeutung, davon, was die Bedeutung eines Wortes ist, führt somit über die Erklärung dessen, was Bedeutungsgleichheit ist. Vom Standpunkt seiner Verhaltenstheorie aus sind zwei Sätze dann bedeutungsgleich, wenn ihr Gebrauch derselbe ist, d. h. wenn sie unter denselben Umständen geäußert werden. Mit Umständen meint Quine dabei die Reizsituationen, die dazu führen, dass ein Sprecher einen bestimmten Satz äußert. Anstatt von der Bedeutung der Sätze spricht Quine von ihrer Reizbedeutung, anstelle von Synonymie spricht er von Reizsynonymie. Um feststellen zu können, ob zwei Sätze bedeutungsgleich sind, muss man sie einem Sprecher unter den gegebenen Umständen als Fragen vorlegen. Bejaht ein Sprecher einen Satz immer dann, wenn er auch einem anderen Satz zustimmen würde, so haben beide Sätze dieselbe Bedeutung. Ein derartiges Verfahren eignet sich jedoch nur für so genannte Gelegenheitssätze, Sätze also, die sich mit bestimmten Worten auf die vorliegende Situation beziehen, deren Wahrheitswert also von Gelegenheit zu Gelegenheit wechselt. Der typische Fall sind Sätze, die einen Indikator enthalten, wie z. B. ›Dies ist rot‹ oder ›Sieh da, ein Kaninchen‹. Diese Art von Bedeutungsgleichheit gilt zuerst nur für einen Sprecher. Zwei Sätze sind dann für eine ganze Sprache bedeutungsgleich, wenn sie es für jeden Einzelnen ihrer Sprecher sind. Hat man Paare von synonymen Sätzen aufgestellt, so kann man sich auf die in den Sätzen vorkommenden Worte konzentrieren. Und zwar ist ein Wort dann mit einem anderen Wort synonym, wenn man es durch das andere austauschen kann und stets äquivalente, d. h. reizsynonyme Sätze erhält.

Eine andere Form von Gebrauchstheorie der Bedeutung, wie sie vor allem von Wittgenstein geprägt wurde, behauptet, dass erst die Verwendung eines Wortes in der Sprache einem Ausdruck Bedeutung verleiht, bezieht ›Verwendung‹ aber nicht auf die bei der Äußerung herrschenden Reizumstände. Grundlegend für diese Form einer Gebrauchstheorie ist die Einsicht, dass man, um die Bedeutung eines Ausdrucks zu verstehen, nicht nur den Gegenstand, den der Ausdruck benennt, kennen muss, sondern auch wissen muss, wie der Ausdruck verwendet wird (wie man ja auch die Bedeutung des Wortes ›Schachkönig‹ nicht kennt, wenn man nur weiß, welche Figur der Ausdruck bezeichnet).

In der an Quine anschließenden Diskussion des Bedeutungsbegriffs rückte zunehmend die Frage in den Vordergrund, wie eine Bedeutungstheorie für natürliche Sprachen formuliert werden kann. Von einer solchen Theorie wurde verlangt, dass sie erklären können muss, wie die Bedeutungen der Sätze von den Bedeutungen der in ihnen vorkommenden Wörter abhängen, weil nur so die Tatsache eine Erklärung finden kann, wie jemand auf der Basis einer endlichen Anzahl von Wörtern und einer endlichen Anzahl von Regeln eine potenziell unendliche Anzahl von Sätzen erzeugen kann, die von den anderen Mitgliedern der Sprachgemeinschaft verstanden werden können. Nach Davidson ist eine Bedeutungstheorie dazu nur dann in der Lage, wenn sie rekursiv ist, d. h. einen immer wiederkehrenden Mechanismus nennt, der es erlaubt, die unendlich vielen Satzbedeutungen aus einem endlichen Vorrat an Wortbedeutungen zu erzeugen. Nach Davidson muss eine derartige Bedeutungstheorie die Form der tarskischen Wahrheitskonvention annehmen.

G. Falkenberg, Sinn, Bedeutung, Intensionalität. Der Fregesche Weg , Tübingen 1998

W. Quine, Wort und Gegenstand , Ditzingen 1980

D. Davidson, Wahrheit und Interpretation , Frankfurt/M. 1999

W. Köhler (Hg.) Davidsons Philosophie des Mentalen , Paderborn 1997

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt