Online-Wörterbuch Philosophie: Das Philosophielexikon im Internet

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Prof. Dr. Armin G. Wildfeuer

Übel

Lat. malum , griech. to kakon : Bezeichnung für den Gegensatz des Guten oder eines Gutes, wobei die inhaltliche Bestimmung des Übels abhängig ist von den jeweiligen Vorstellungen vom Guten. Das Übel wird bestimmt entweder subjektiv durch den Bezug auf die Empfindungen als das Leidvolle (Leid), Unangenehme, oder das, was Ursache des Abscheus, der Abneigung oder einer Disharmonie ist, oder objektiv durch den Bezug auf Normen oder normative Vorstellungen als das Normwidrige (z. B. als das Schädliche, Abträgliche, Wert- und Sinnwidrige, das Böse, die Schuld, der Tod, das Lebensvernichtende und -hemmende) bzw. als insgesamt das, was sowohl die Welteinrichtung als auch den individuellen Handlungssinn sinnwidrig betrifft. Die sich bereits in der Antike andeutende konstitutive Bezogenheit des Übels auf die Vorstellung des Guten, die sich in der Deutung des Übels als Verfehlen des Guten bzw. als Unmöglichkeit des von allen Menschen naturwüchsig erstrebten Glücks manifestiert, setzt sich in der mittelalterlich-scholastischen Philosophie fort und wird durch den Versuch einer »ontologischen Depotenzierung« (Geyer) des Übels verschärft, das als durch einen Mangel an Gutem (privatio boni ), als Beraubung im Sinne der Nicht-Anwesenheit einer die Vollkommenheit bzw. den Idealzustand eines Gegenstandes definierenden Eigenschaft wie als Seinsmangel überhaupt (privatio entis ) gekennzeichnet wird, sodass es nur scheinhaft, im Letzten unwirklich und ›fast nichts‹ (prope nihil ) ist. Dem Übel wird dadurch ein eigener positiver Seinsstatus und damit auch die Tauglichkeit zu einem gleich ursprünglichen Gegenprinzip zum Guten abgesprochen, sodass jedem kosmologischen Dualismus oder Manichäismus eine Absage erteilt ist. Seit Augustinus ist die Unterscheidung von physischem Übel (malum physicum z. B. Krankheit und Leiden) und moralischem Übel (malum morale , z. B. das Böse, die Sünde) geläufig. Sie wird im 17. Jh. ergänzt durch den von Leibniz eingeführten Begriff eines metaphysischen Übels (malum metaphysicum ), das in der Endlichkeit aller geschaffenen Gegenstände besteht. Er dient zur Erklärung der physischen und moralischen Übel und deren kompensatorische Funktion für die Harmonie des Kosmos und der Vollkommenheit der Weltordnung (Optimismus, prästabilierte Harmonie), mithin auch zur Rechtfertigung eines gütigen Schöpfergottes (Theodizee). Als eigene Kategorie lässt sich auch von einem gnoseologischen Übel, dem Irrtum, sprechen. Während in der gegenwärtigen Philosophie die ontologische und kosmologische Dimension des Übelbegriffs weitgehend ausgeblendet bleibt, wird die umgreifende Frage nach dem Warum des Übels in der Welt von der christlichen Theologie weiterhin wachgehalten. Sieht man von der allfälligen Tendenz einer Hypermoralisierung des Negativen und der mehr soziologisch konnotierten Rede von ›strukturellen Übeln‹ ab, dann spielt heute ein moralischer Übelbegriff nur mehr in utilitaristischen Ethikkonzeptionen in der Forderung nach Minderung des subjektiven Übels durch Herbeiführung des ›größtmöglichen Glücks der größten Zahl‹ eine Rolle.

F. Billicsich, Das Problem des Übels in der Philosophie des Abendlandes , Band I–III, Wien 1952–1959

B. Claret, Geheimnis des Bösen , 2. Aufl. Innsbruck 2000

C.-F. Geyer, Leid und Böses in philosophischen Deutungen , Freiburg/Br. 1983

A. Kreiner, Gott im Leid , Freiburg 1997

R. Safranski, Das Böse , München 1997

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt