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Holm Bräuer

Ökologie

Von griech. oikos , ›Haus, Haushalt‹ und logos , ›Wort, Lehre‹: Unter Ökologie wird im wissenschaftlichen Zusammenhang eine Teildisziplin der Biologie verstanden, die die Wechselwirkungen im Naturhaushalt und die Beziehungen des Organismus zu seiner Umwelt zum Thema hat. Andererseits ist Ökologie zu einem Schlagwort in der gesellschaftlichen Umweltdebatte geworden, in der das als krisenhaft erfahrene Verhältnis von Mensch und Natur reflektiert wird.

Im Zentrum der naturwissenschaftlichen Beschäftigung mit der Ökologie steht der Begriff des Ökosystems. Ein Ökosystem gilt dabei als ein natürlicher Selbstregulierungsmechanismus mit der Fähigkeit, Schwankungen in den einzelnen Systemkomponenten (Energiehaushalt, Population, Stoffumsatz) systemimmanent aufzufangen, sodass ein stabiles Gleichgewicht aufrecht erhalten werden kann. Bei einem ökologischen Gleichgewichtszustand spricht man von einem Fließgleichgewicht, weil sich die Systeme in einem ständigen Stoff- und Energieaustausch mit der Umgebung befinden, wodurch ihre Stoff- und Energiebilanz auf längere Sicht konstant bleibt (z. B. der Bestand einer Art), obwohl ein laufender Auf- und Abbau von Systemkomponenten (z. B. durch gleichzeitiges Heranwachsen und Absterben einzelner Individuen einer Art) stattfindet. Schwierigkeiten bereitet der wissenschaftlichen Forschung allerdings die räumliche und zeitliche Abgrenzung eines Ökosystems von einem anderen. Hier scheint es keine feststehenden Grenzen zu geben. Man kann z. B. je nach Forschungsinteresse entweder die chemischen Wechselwirkungen zwischen Mikroorganismen oder die Wechselwirkungen des globalen Energiehaushalts unter dem Gesichtspunkt eines Ökosystems betrachten. In Wirklichkeit scheint es gar kein fest begrenztes Ökosystem und kein vollständiges Gleichgewicht innerhalb eines solchen Wechselwirkungszusammenhanges zu geben. Ein absolutes Gleichgewicht über einen längeren Zeitraum ist auch nicht von Vorteil, weil dies ein Ende aller Innovationsprozesse bedeuten würde. Obwohl durch die internen Selbstregulierungsmechanismen eine relative Konstanz des Systems gesichert ist, gehören solche innovativen Veränderungen und die damit einhergehende ständige Veränderung des ökologischen Systems zur Anpassung des Systems an sich verändernde Umweltbedingungen. Sie werden damit zu einem sekundären Faktor der Stabilität.

Die Entwicklung der modernen industriellen Gesellschaftsform hat umfangreiche Eingriffe in den natürlichen Haushalt ermöglicht, die zunehmend den Erhalt des ökologischen Gleichgewichts gefährden. Die Vernichtung von großen Teilen der Biosphäre durch die Nebenwirkungen technischer Naturbeherrschung hat zu einer Neubesinnung auf das Verhältnis von Mensch und Natur und zu einer Korrektur von Wertvorstellungen geführt. Neben den tief greifenden Veränderungen, die mit den Lehren von Kopernikus, Darwin und Freud zum Abbau anthropozentrischer Vorstellungen geführt haben, gehört die Reflexion über das Verhältnis des Menschen zu seiner natürlichen Umwelt und die Neubewertung der Folgen technischer Entwicklung zu den wichtigsten Merkmalen der kulturellen Neuorientierung im modernen Menschenbild. Dies hat zu einigen philosophischen Überlegungen geführt, in denen dieses Verhältnis in den Mittelpunkt der Ethik gerückt ist. H. Jonas hat eine universalistische Verantwortungsethik entworfen, in der die Erhaltung der menschlichen Lebensgrundlagen zur ersten Pflicht gemacht wird. Auch in der Diskursethik (Apel, Habermas) wird die ökologische Verantwortung und die Pflicht zur Bewahrung der Biosphäre zum Thema zahlreicher Überlegungen, wobei die globale Verantwortung für unsere Umwelt mit dem Prinzip einer kritischen Öffentlichkeit und der Pflicht zur Verbesserung der Verständigungsverhältnisse in Zusammenhang gebracht werden. Spaemann vertritt die Ansicht, dass es angesichts der Verantwortung für die künftige Generation legitim sein könnte, auch gegen demokratisch legitimierte Entscheidungen (wie z. B. im Atomkraftwerksbau) Widerstand zu leisten. Eine gewisse Problematik in der Ökologie-Diskussion haben einige ideologiekritischen Analysen aufgezeigt, in denen darauf hingewiesen wird, dass es in manchen Punkten zu einer Nähe zwischen radikal ökologischen und einigen neu-rechten und fundamentalistischen Strömungen gekommen ist. Das führt zu einem Spannungsverhältnis in der Auseinandersetzung um ökologische Fragen, was eine sachliche Diskussion um die ökologischen Probleme und deren Lösung zuweilen schwierig macht.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt