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Dr. Axel Spree

Akt-Potenz-Lehre

Von lat. actus , ›Antrieb, Handlung‹ und potentia , ›Vermögen‹: Grundbegriffe der scholastischen Metaphysik. Alltagssprachlich bedeutet Akt soviel wie Handlung oder Tätigkeit, Potenz soviel wie Vermögen oder Fähigkeit. Im philosophischen Sinn (und im Zusammenhang dieses Gegensatzpaares) bezeichnet Akt das Seins-, Wirk- und Formprinzip, Potenz dagegen die bloß wesenhafte Seinsmöglichkeit.

Die Akt-Potenz-Lehre geht auf die aristotelische Unterscheidung zwischen Möglichkeit (griech. dynamis ) und Tätigkeit (griech. energeia ) zurück, mit deren Hilfe Aristoteles die Probleme des Werdens, der Veränderung und Entwicklung zu lösen versuchte. Aristoteles ging – in Auseinandersetzung mit Heraklit auf der einen und den Eleaten auf der anderen Seite – davon aus, dass das Werdende weder aus dem Nichts kommt noch sich durch Veränderung aus dem aktuell Seienden entwickelt, sondern aus dem nur potenziell Seienden entsteht. Dieses Sein der Möglichkeit steht zwischen Sein und Nicht-Sein. Alles Werden ist demnach ein Übergang von der Potenz zum Akt. Beispielsweise trage ein Marmorblock die Möglichkeit in sich, zu einer Statue zu werden, aber ebenso auch die Möglichkeit, nicht zu einer Statue zu werden. Soll nun eine Statue entstehen, so bedarf es der Tätigkeit des Künstlers, die zum einen die Ursache für die Verwandlung des Marmorblocks ist und zum anderen deren Ziel, die Statue, in sich enthalte. Das Werden ist demnach immer auf ein Ziel (griech. telos ) gerichtet: Der Stein fällt, weil er seinem natürlichen Ort, dem Erdmittelpunkt, zustrebt; das Samenkorn entwickelt sich und wächst, weil seine Natur das Pflanze-Sein ist; der Mensch strebt nach Gemeinschaft, weil er seiner Natur nach ein gesellschaftliches Wesen ist usw. (Teleologie).

Die Akt-Potenz-Lehre wurde zum zentralen Bestandteil der scholastischen Metaphysik. Allerdings ging es im mittelalterlichen Denken nicht mehr um das Problem des Werdens und der Veränderung des Seienden, sondern um das Verhältnis des Seienden zum Sein, also um das Verhältnis der geschaffenen Dinge zu Gott. Für Thomas von Aquin, der die Akt-Potenz-Lehre mit der Lehre von der Analogie des Seins verband (analogia entis ), bezeichnen die aristotelischen Begriffe dynamis (Potenz) und energeia (Akt) nicht mehr nur Prinzipien des veränderlich Seienden, sondern sind zugleich und vor allem Bestimmungen des Absoluten und damit letztlich Gottes. Demnach kommt Gott als dem unendlichen Vermögen zugleich auch höchste Wirklichkeit zu. In Gott, der als selbstständiges Sein (esse subsistens ) bestimmt wird, fallen Akt und Potenz zusammen, da bei ihm kein Unterschied zwischen Sein und Tun besteht. Alles geschaffene Seiende trägt zwar den Unterschied von Akt und Potenz in sich, jedoch in unterschiedlichem Grad. In der Hierarchie des Seienden stehe dasjenige am höchsten, das möglichst wenig Potenzialität und möglichst viel an aktuellem Sein in sich trage (beispielsweise sei das Kind gegenüber dem Erwachsenen unvollkommener, weil es lediglich als Möglichkeit in sich trage, was bei diesem bereits verwirklicht ist).

Aufgrund ihres teleologischen und spekulativen Charakters wurde die Akt-Potenz-Lehre in der Zeit der Renaissance (A) und der Aufklärung (A Neuzeit – Aufklärung) als überholt angesehen. In der Neuscholastik Ende des 19. Jhs. wurde die Lehre wieder aufgenommen und erneuert.

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Handwörterbuch Philosophie

hg. v. Wulff D. Rehfus
Mit Beiträgen von 54 Autoren
1. Aufl. 2003, 736 S., vergriffen

» Nachfolgewerk in 4 Bänden

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Quelle: Online-Wörterbuch Erwachsenenbildung. Basierend auf: Wörterbuch Erwachsenenbildung. Hg. v. Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl. 2., überarb. Aufl., Verlag Julius Klinkhardt / UTB. ISBN 978-3-8252-8425-1. © 2010 Julius Klinkhardt